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IEC 60309
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IEC 60309 (bis 1999 IEC 309) ist eine internationale Norm fĂŒr „Stecker, Steckdosen und Kupplungen fĂŒr industrielle Anwendungen“. Er stellt eine Form von Industrie- und Mehrphasenstecker dar.

Teil 1 des Standards beschreibt die allgemeinen Anforderungen an jeden industriell genutzten Steckverbinder. Teil 2 spezifiziert eine Reihe von Steckverbindern mit runden GehĂ€usen bei unterschiedlicher Anzahl und Anordnung der Kontaktstifte fĂŒr verschiedene Anwendungen. Die höchstzulĂ€ssige Spannung betrĂ€gt 690 Volt (Gleich- oder Wechselspannung), die maximale Strombelastbarkeit liegt bei 125 Ampere. Die zulĂ€ssige Betriebstemperatur reicht von −25 bis +40 °C. Die Gestaltung als Kragenstecker bewirkt einen guten mechanischen Schutz der Steckstifte beim Umgang mit den Steckern (Baustellen, Industrie, Landwirtschaft).

Als CEE-Drehstromsteckverbinder, CEE-Steckvorrichtungen oder CeKon-Stecker/Kupplung werden umgangssprachlich die zwei gebrĂ€uchlichsten Steckverbinder des Steckersystems bezeichnet: Es sind rote Steckverbinder fĂŒr Dreiphasenwechselstrom mit Neutral- und Schutzleiter und einer Nennspannung von 400 Volt sowie der blaue Verbindertyp mit nur einem Außenleiter, Neutral- und Schutzleiter fĂŒr eine Spannung von 230 Volt.

Contents

‱ Kennfarben
‱ Typentabelle
‱ Schutzart
‱ Pilotkontakt
‱ L+N+PE, 6h
‱ 3L+N+PE, 6h
‱ L+N+PE, 4h
‱ 3L+N+PE, 9h
‱ 3L+PE, 6h
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Standardisierung und Normung

Diese Rundsteckvorrichtung wurde ursprĂŒnglich von der CEE (französisch Commission internationale de rĂ©glementation en vue de l’approbation de l’équipement Ă©lectrique) entworfen, die seit 1985 als IECEE (System fĂŒr KonformitĂ€tsbewertungssysteme elektrotechnischer Betriebsmittel und Komponenten) ein Standardisierungsorgan der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC) ist. Es war dieselbe Kommission, die auch die Standardisierung der europĂ€ischen Netzsteckertypen vorantrieb (CEE-System mit CEE 7/4 alias Schuko-Stecker, CEE 7/5 Frankreich und CEE 7/7 deutsch/französischer Hybridstecker, spĂ€ter dann CEE 7/16 Eurostecker).

Die Rundsteckverbindung basiert auf einem Design der Walterwerkecite-ref-1[1], die diese 1960 als Normierungsvorschlag einreichten. Die Normierung der Industriesteckertypen wurde in der CEE 17 in den 1960er-Jahren durchgefĂŒhrt, die 1968 im Vereinigten Königreich als BS 4343 sowie spĂ€ter als IEC 309 ĂŒbernommen und 1999 zur IEC 60309 wurde.cite-ref-2[2] Daher kommt auch die aus der englischen „CEE-form plug“ entlehnte Bezeichnung als CEE-Steckverbinder.

Die Normenreihe ist in Deutschland unter der Bezeichnung DIN EN 60309, in Österreich als OEVE/OENORM EN 60309, sowie in der Schweiz als SN EN 60309 genormt. Ebenso fĂŒhrt der VDE diese Norm unter der Klassifikation VDE 0623.

Seit 1. Januar 1975 durften in Westdeutschland keine Drehstromsteckverbinder nach alter Norm DIN 49450 / DIN 49451 (Flachsteckvorrichtung) mehr eingesetzt werden; mit der Wiedervereinigung mussten die in der DDR noch lĂ€nger existierenden Anlagen bis 1998 auf Rundstecker umgerĂŒstet werden.cite-ref-3[3] WĂ€hrend Rundstecker auch die ebenfalls in den 1960er-Jahren entstandenen Perilex-Stecker sein können, wurde zumeist auf die IEC-60309-Stecker umgestellt, da diese sich in Europa und international schon durchgesetzt hatten. In der Schweiz wird fĂŒr 10 bzw. bis 16 A dagegen der Typ 15 bzw. Typ 25 nach der Norm SN 441011 verwendet; die Verbreitung der CEE-Stecker beschrĂ€nkt sich dort auf Anlagen höherer Stromaufnahme sowie auf den Camping- & Marinebereich.

Steckerbauweise

IEC-60309-2-Steckverbinder existieren in vielen Varianten, wobei sie so entworfen wurden, dass jeweils immer nur der Stecker eines Typs in eine Buchse desselben Typs passt. Des Weiteren ist die Beschaffenheit und der Durchmesser der Verbinder von ihrer Strombelastbarkeit abhĂ€ngig. Es wird zwischen den StromstĂ€rken 16 A, 32 A, 63 A und 125 A unterschieden. Dadurch ist es nicht möglich, Stecker und Buchsen verschiedener StromstĂ€rken zu verbinden. Die Kontaktstifte bei Steckern fĂŒr 16 A haben 5 mm Durchmesser, die bei 32 A 6 mm, die bei 63 A 8 mm und die bei 125 A 10 mm Durchmesser. Der Kontaktstift des Schutzleiters hat bei allen AusfĂŒhrungen einen jeweils 2 mm grĂ¶ĂŸeren Durchmesser. Die Stifte sind aus Vollmaterial und bei qualitativ höherwertigen AusfĂŒhrungen an der OberflĂ€che vernickelt.

Es existieren Steckverbinder mit drei, vier, fĂŒnf oder sieben Kontakten. Die Sonderbauform mit sieben Kontakten entspricht den fĂŒnfpoligen Verbindern plus zwei Kontakte fĂŒr „multifunktionale Anwendungen“ im Industriebereich. Alle Kontaktstifte sind im GehĂ€use kreisförmig angeordnet (bei siebenpoligen Varianten mit einem Kontakt im Mittelpunkt des Kontaktkreises).

Bei der Gestaltung der IEC-60309-2-Steckverbinder wurde auf die Unverwechselbarkeit von Außenleiter (L) und Neutralleiter (N) sowie auf eine optimale StromĂŒbertragung durch große KontaktflĂ€chen zwischen den Stiften des Steckers und den Buchsen der Dose beziehungsweise Kupplung Wert gelegt. Die Buchsen sind hierzu als geschlitzte MessinghĂŒlsen mit Stahl-Spannfedern ausgefĂŒhrt, so dass fast die gesamte ZylindermantelflĂ€che zum StromĂŒbergang zwischen Buchse und Stift wirksam ist. UnerwĂŒnschter ErwĂ€rmung bei hoher Strombelastung wird so entgegengewirkt. Als Nachteil kann die vergleichsweise große Einsteck- und Ausziehkraft gesehen werden. Eine zusĂ€tzliche Sicherung gegen unerwĂŒnschtes Trennen wird durch die Hakenfunktion des federgespannten Klappdeckels der Dose und Kupplung bewirkt.

Kennfarben

Je nach Nennspannung und Frequenz sind die GehÀuse von Stecker und Kupplung farbig markiert. Die landestypischen Netzspannungen und -frequenzen basieren heute durchgehend auf einer Frequenz von 50 oder 60 Hz, so dass die GehÀusefarbe die Nennspannung bezeichnet. Verbreitet sind dadurch gelb (110 Volt), blau (230 Volt) und rot (400 Volt). Schwarz mit 500 Volt findet man hÀufiger auf Schiffen.

Bei Frequenzen ĂŒber 60 Hz (bis 500 Hz) wird die Kennfarbe grĂŒn verwendet. Die Kennfarbe grau wird immer dann verwendet, wenn es keine andere passende Kennfarbe fĂŒr Spannung oder Frequenz gibt. Hieraus ergibt sich folgende Zuordnung der Kennfarben:

| Spannungsebene | Frequenzbereich | Farbe |
|---|---|---|
| 0 20–25 V | 00 50/60 Hz | violett |
| 0 40–50 V | 00 50/60 Hz | weiß |
| 100–130 V | 00 50/60 Hz | gelb |
| 200–250 V | 00 50/60 Hz | blau |
| 380–480 V | 00 50/60 Hz | rot |
| 500–690 V | 00 50/60 Hz | schwarz |
| 20–500 V | 60–500 Hz | grĂŒn |
| alle anderen | alle anderen | grau |

Position des Schutzkontaktes

Die verschiedenen Spannungen und Frequenzen der Verbinder werden durch die Lage des Schutzkontaktes festgelegt. Der Schutzleiter befindet sich in einer von zwölf möglichen Positionen, aufgeteilt in 30°-Schritten im Uhrzeigersinn. Position 6 ist dabei aus Sicht einer Steckerbuchse die unterste Stelle. Diese ist markiert durch eine Außennase am Stecker und die dazugehörige Aussparung an der Steckdose. Des Weiteren ist der Schutzleiter dicker als die restlichen Kontakte. So ist Verpolungssicherheit gewĂ€hrleistet. Zudem verringert sich der Übergangswiderstand, was gerade beim Schutzleiter lebenswichtig sein kann. Die Position des Schutzleiters ist darĂŒber hinaus auf dem Deckel der Buchse in einem Stundenformat dargestellt. 6h beispielsweise bedeutet, dass der Schutzkontakt auf 6 Uhr, also an Position 6 angeschlossen ist.

Stecker fĂŒr Spannungen bis 50 Volt

Stecker fĂŒr Spannungen bis 50 Volt haben keinen Schutzkontakt. An dessen Stelle haben die Stecker eine Hilfsnase (und die Buchsen eine Aufnahme dafĂŒr), die wie die Hauptnase bei 6 Uhr ausgeformt ist, aber auf dem Umfang unterschiedliche Positionen einnehmen kann. Die Stecker und Kupplungen sind dadurch gegen Verpolung geschĂŒtzt und können fĂŒr Gleichspannung eingesetzt werden. Das Kupplungsteil ist beispielsweise violett gefĂ€rbt.

Typentabelle

In der Norm IEC 60309 sind keine genaue Spezifikationen hinsichtlich der Farben angegeben.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]

| Lage des Schutz- kontaktes | Anzahl der Kontakte | Anzahl der Kontakte | Anzahl der Kontakte | Anzahl der Kontakte | Anzahl der Kontakte | Anzahl der Kontakte |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Lage des Schutz- kontaktes | 3 2L+PE oder L+N+PE | 3 2L+PE oder L+N+PE | 4 3L+PE | 4 3L+PE | 5 3L+N+PE | 5 3L+N+PE |
| Lage des Schutz- kontaktes | Spannung | GehÀusefarbe | Spannung | GehÀusefarbe | Spannung | GehÀusefarbe |
| 1h | Alle nicht aufgefĂŒhrten Betriebsspannungen und/oder -ströme | Alle nicht aufgefĂŒhrten Betriebsspannungen und/oder -ströme | Alle nicht aufgefĂŒhrten Betriebsspannungen und/oder -ströme | Alle nicht aufgefĂŒhrten Betriebsspannungen und/oder -ströme | Alle nicht aufgefĂŒhrten Betriebsspannungen und/oder -ströme | Alle nicht aufgefĂŒhrten Betriebsspannungen und/oder -ströme |
| 2h | >50 V, 300–500 Hz, nur 16 A/32 A | grĂŒn | >50 V, 300–500 Hz, nur 16 A/32 A | grĂŒn | >50 V, 300–500 Hz, nur 16 A/32 A | grĂŒn |
| 3h | 50–250 V Gleichspannung | grau | 380 V, 50 Hz, nur 16 A/32 A 440 V, 60 Hz, nur 16 A/32 A 1 | rot | 220/380 V, 50 Hz, nur 16 A/32 A 250/440 V, 60 Hz, nur 16 A/32 A 1 | rot |
| 4h | 100–130 V, 50–60 Hz | gelb | 100–130 V, 50–60 Hz | gelb | 57/100–75/130 V, 50–60 Hz | gelb |
| 5h | 277 V, 60 Hz | grau | 600–690 V, 50/60 Hz | schwarz | 347/600–400/690 V, 50/60 Hz | schwarz |
| 6h | 200–250 V, 50–60 Hz | blau | 380–415 V, 50/60 Hz | rot | 200/346–240/415 V, 50/60 Hz | rot |
| 7h | 480–500 V, 50–60 Hz | grau | 480–500 V, 50/60 Hz | grau | 277/480–288/500 V, 50/60 Hz | grau |
| 8h | > 250 V Gleichspannung | grau | — | — | — | — |
| 9h | 380–415 V, 50–60 Hz | rot | 200–250 V, 50/60 Hz | blau | 120/208–144/250 V, 50/60 Hz | blau |
| 10h | — | — | > 50 V, 100–300 Hz | grĂŒn | — | — |
| 11h | — | — | 440–460 V, 60 Hz 2 | rot | 250/400–265/460 V, 60 Hz 2 | rot |
| 12h | 50/60 Hz 3 | grau | 50/60 Hz 3 | grau | — | — |

fĂŒr KĂŒhlcontainer

fĂŒr Schiffe

Versorgung nach einem Trenntransformator mit U > 50 V

| Lage der Hilfsnase | Anzahl der Kontakte | Anzahl der Kontakte |
|---|---|---|
| Lage der Hilfsnase | 2P | 3P |
| 2h | 20–25 V und 40–50 V, 300 Hz grĂŒnes GehĂ€use | 20–25 V und 40–50 V, 300 Hz grĂŒnes GehĂ€use |
| 3h | 20–25 V und 40–50 V, 400 Hz grĂŒnes GehĂ€use | 20–25 V und 40–50 V, 400 Hz grĂŒnes GehĂ€use |
| 4h | 40–50 V, 100–200 Hz grĂŒnes GehĂ€use | 40–50 V, 100–200 Hz grĂŒnes GehĂ€use |
| 10h | 20–25 V Gleichspannung violettes GehĂ€use 40–50 V Gleichspannung weißes GehĂ€use | — |
| 11h | 20–25 V und 40–50 V, > 400 Hz (bis 500 Hz) grĂŒnes GehĂ€use | 20–25 V und 40–50 V, > 400 Hz (bis 500 Hz) grĂŒnes GehĂ€use |
| 12h | 40–50 V, 50/60 Hz weißes GehĂ€use | 40–50 V, 50/60 Hz weißes GehĂ€use |
| keine | 20–25 V, 50/60 Hz violettes GehĂ€use | 20–25 V, 50/60 Hz violettes GehĂ€use |

Schutzart

Alle Steckverbinder mĂŒssen so gestaltet sein, dass sie mindestens die Schutzart IP44 erfĂŒllen. Ab einem Bemessungsstrom von 125 A ist die Schutzart IP67 vorgeschrieben. Um die Schutzart IP67 zu erreichen, wird in der Regel ein ringförmiger Bajonettverschluss mit Dichtungsring verwendet.

Auch Steckverbinder der kleineren BemessungsstromstĂ€rken werden in Schutzart IP67 angeboten. Steckverbinder der Schutzart IP44 sind unempfindlich gegenĂŒber Regenwasser, dĂŒrfen aber nicht in Wasser eingetaucht oder einem Wasserstrahl ausgesetzt werden.

Pilotkontakt

Das Unterbrechen eines unter Last stehenden Stromkreises durch das Trennen der Steckverbindung bewirkt einen Schaltlichtbogen zwischen Stift und Buchse, der zum Verschleiß der Kontakte und eventuell zu einer GefĂ€hrdung der ausfĂŒhrenden Person fĂŒhren kann.

IEC-60309-Steckverbindungen ab der 63-A-AusfĂŒhrung sehen darum optional einen mittigen Pilotkontakt vor, der kĂŒrzer ist als die restlichen Kontakte und dazu dient, den Stromfluss beim Abziehen des Steckers zu unterbrechen, bevor es zu einem Schaltlichtbogen kommt. Dies kann geschehen, indem ĂŒber den Pilotkontakt ein Steuerstrom fließt, dessen Unterbrechung ein SchĂŒtz auslöst, das seinerseits den Haupt-Stromkreis unterbricht.

HĂ€ufig verwendete Typen

Die verbreitetsten Typen sind CEE blau L+N+PE und CEE rot 3L+N+PE. Auf den SteckergehĂ€usen werden manchmal die Außenleiter statt mit dem Buchstaben „L“ fĂŒr das englische Live, zu deutsch ‚Leiter‘, mit „P“ fĂŒr ‚Phase‘ bezeichnet – nicht zu verwechseln mit „PE“ Protective Earth, was den Schutzleiter bezeichnet. Die GehĂ€usefarbe bezieht sich auf die regional verfĂŒgbare Netzspannung, bei 110 V gelb, bei 230 V blau und bei 400 V rot. Jeweils vorherrschend sind die 16-Ampere- und 32-Ampere-Versionen.

L+N+PE, 6h

campingstecker

Der blaue Steckverbinder „L+N+PE, 6h“ kann fĂŒr das in europĂ€ischen Haushalten ĂŒbliche einphasige 230-Volt-Wechselstromnetz eingesetzt werden. Der Stecker ist technisch höherwertiger als die in Hausinstallationen ĂŒblichen Steckverbindungen (z. B. Schukostecker in Deutschland und Österreich oder SN 441011 (SEV 1011) in der Schweiz):

‱ mechanischer Schutz der Stifte durch Steckerkragen
‱ Verpolungsschutz (im Vergleich zu Schuko)
‱ Stecksicherheit durch Verriegelung
‱ grĂ¶ĂŸere KontaktflĂ€chen
‱ höherer Kontaktdruck
‱ dauerhaft strombelastbar bis 16 Ampere (im Vergleich zu Schuko und SN 441011-Typen 12 und 13)
‱ internationale Normung
‱ wegen eindeutiger Spezifikation der zu verwendenden Materialien keine „BilligausfĂŒhrungen“
‱ aufgrund der Schutzart IP44 kann die Steckverbindung auch im Außenbereich verwendet werden

‱ (IP4x = GeschĂŒtzt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ≄ 1,0 mm & GeschĂŒtzt gegen den Zugang mit einem Draht)
‱ (IPx4 = Schutz gegen allseitiges Spritzwasser)

FĂŒr höhere WechselspannungsstromstĂ€rken können grĂ¶ĂŸere AusfĂŒhrungen der blauen Steckverbinder bis 32 A, 63 A und 125 A eingesetzt werden, die jedoch selten anzutreffen sind.

Da die blauen „L+N+PE-6h-Steckverbinder“ in Europa nahezu universell auf CampingplĂ€tzen oder in YachthĂ€fen zu finden sind, werden sie umgangssprachlich oft auch „Campingstecker“ oder „Caravanstecker“ genannt. Auch in YachthĂ€fen haben sie andere Stecksysteme verdrĂ€ngt. Außer in der Schweiz finden sie auch in Verkehrs-, Industrie-, Bau- und Gewerbebetrieben Anwendung (u. a. werden hochwertige Serverracks ĂŒber diese Stecker angeschlossen).

Netzschalter in EndgerĂ€ten schalten hĂ€ufig nur einpolig. Durch die definierte Kontaktbelegung kann im Gegensatz zum Schuko-System mit diesen Steckverbindern sichergestellt werden, dass immer der Außenleiter und nicht der Neutralleiter geschaltet wird. Adapterleitungen von einem Schukostecker auf eine blaue CEE-Wechselstromkupplung sind daher nicht normkonform (Phasensicherheit). Bei Adaptern von einem blauen CEE-Stecker auf eine SN-441011-Kupplung ist bei letzterem zwingend Typ 23 einzusetzen, da nur dieser Typ fĂŒr 16 A spezifiziert ist.

In der Schweiz sind die CEE-16 A-Steckdosen (entspricht SEV-Typ 63) ausschließlich im Campingbereich und an Bootsanlegestellen zugelassen, anderswo ist der SN-441011-Stecker Typ 23 einzusetzen. Die fĂŒr 32 A spezifizierten Steckdosen sind in der Schweiz nicht zugelassen, da ein Typ-7-Stecker der veralteten Norm SEV 1011 so in die CEE-Buchse eingesteckt werden kann, dass Kontakt zwischen dem Typ-7-Erdstift und dem Außenleiter der CEE-Buchse hergestellt wird.cite-ref-6[6]

3L+N+PE, 6h

In den meisten europĂ€ischen LĂ€ndern mit Nutzung von 400-V-Dreiphasenwechselstrom wird bevorzugt der rote Steckverbinder „3L+N+PE, 6h“ verwendet, meist in den Versionen fĂŒr 16 A und 32 A. Durch die große Verbreitung wird der fĂŒnfpolige Stecker im deutschen Sprachraum umgangssprachlich „Drehstromstecker“ genannt (allerdings gibt es in der IEC-60309-Norm auch vierpolige Stecker zur Anbindung von Dreiphasenwechselstrom ohne Neutralleiter). Angewendet wird diese Steckkombination, um „Drehstrom-Verbraucher“ (Baumaschinen, HeizgerĂ€te, Motoren, kleine Werkzeugmaschinen und so weiter) an das Dreiphasenwechselstromnetz anzuschließen. Des Weiteren werden sie bei hohen StromstĂ€rken (wie zum Beispiel Licht- und Tonanlagen in der BĂŒhnentechnik) genutzt.

Die Steckverbindungen sind in den AusfĂŒhrungen 16 A, 32 A, 63 A und 125 A gebrĂ€uchlich. Die Versionen fĂŒr 16 A und 32 A sehen auf den ersten Blick gleich aus, die fĂŒr 32 A ist jedoch etwas grĂ¶ĂŸer als die fĂŒr 16 A. Die Steckverbindungen besitzen fĂŒnf Kontakte, wobei drei davon die Außenleiter (L1, L2, L3) des Netzes, einer den Neutralleiter (N) und der dickere, voreilende den Schutzleiter (Erdpotential, PE) fĂŒhrt.

L+N+PE, 4h

Der einphasige gelbe Steckverbinder „L+N+PE, 4h“ hatte sich in Großbritannien im Außenbereich verbreitet, bevor dort großteils die Spannungsebene von 110 V auf 230 V umgestellt wurde. In weiten – aber abnehmenden – Bereichen ist eine doppelte Spannungseinspeisung (110 V/230 V) im Haushaltsbereich weiterhin ĂŒblich. Die IEC-60309-Steckverbinder heißen dort generell „MK Commando“ nach der Stecker-Modellreihe Commando des Herstellers MK Electric.cite-ref-7[7]

3L+N+PE, 9h

Der blaue Steckverbinder „3L+N+PE, 9h“ ist in den Vereinigten Staaten als Alternative zu den NEMA-Steckern im Außenbereich verfĂŒgbar, wird aber auch in anderen LĂ€ndern mit 120 V (teilweise auch 110 V) Netzspannung eingesetzt. Insbesondere in der Veranstaltungstechnik ist das Stecksystem verbreitet – allerdings wird hier meist nicht dreiphasiger Strom abgegriffen, sondern es wird mit den in den USA verbreiteten Einphasen-Dreileiternetz-AnschlĂŒssen gearbeitet (in Europa völlig ungebrĂ€uchlich). Dabei kann alternativ 120 V zwischen Außenleiter und Neutralleiter abgegriffen werden, oder es wird die doppelte Spannung zwischen zwei Außenleitern mit 240 V genommen. Da fĂŒr diese beiden Betriebsarten keine drei Außenleiter durchgeleitet werden mĂŒssen, gibt es auch noch einen (nicht standardkonformen) gelben vierpoligen Steckverbinder fĂŒr 120 und 240 V einphasigen Wechselstrom.

3L+PE, 6h

Drehstrommotoren benötigen fĂŒr den Betrieb keinen Neutralleiter (umgangssprachlich in Deutschland: „Bauerndrehstrom“), daher gibt es neben dem fĂŒnfpoligen Drehstromstecker auch eine vierpolige Variante „3L+PE, 6h“ in rot fĂŒr 400 Volt dreiphasigen Wechselstrom. In der Praxis finden sich allerdings eher alte vieradrige Kabel mit fĂŒnfpoligen Steckern. Deshalb sollte bei unbekannten Kabeln mit fĂŒnfpoligen Steckern und Kupplungen durch Messen (zum Beispiel mit einem DurchgangsprĂŒfer) ĂŒberprĂŒft werden, ob der Neutralleiter mitgefĂŒhrt ist. Fehlt dieser, arbeiten ĂŒber dieses Kabel angeschlossene Verbraucher fĂŒr 230 V nicht – sie benötigen den Neutralleiter. Sind unterschiedliche GerĂ€te an verschiedenen Außenleitern angeschlossen, kann dies zu Überspannung und Zerstörung von GerĂ€ten fĂŒhren. VerlĂ€ngerungskabel u. Ă€. mit fĂŒnfpoligen Steckverbindern ohne mitgefĂŒhrten Neutralleiter sind nicht zulĂ€ssig. FĂŒr diesen Zweck stehen vierpolige Steckverbinder zur VerfĂŒgung. Anschlusskabel von Maschinen sind hĂ€ufig vieradrig, wenn die Maschine keinen Neutralleiter benötigt. Dies spart Kupfer und ist unproblematisch, da die Verdrahtung der Maschine keinen Anschluss von zusĂ€tzlichen Verbrauchern erlaubt. Der Schutzleiter muss selbstverstĂ€ndlich auch in diesem Fall vorhanden sein, ebenso eine korrekte Schutzleiterverbindung an der speisenden Steckdose. Da beides nicht fĂŒr die Funktion erforderlich ist, empfiehlt sich auch hier eine SchutzleiterprĂŒfung.

7-polig: 3L+N+PE+2Sonderleitungen, Stellung des Schutzleiters je nach Anwendung von 1h bis 12h

7-polige Steckvorrichtungen bieten Lösungen bei mehrfunktionalen Anforderungen in Industrie, Landwirtschaft und Gewerbe.

Zum Beispiel fĂŒr folgende Funktionen: Sterndreieck-Anlauf, Regeln, Steuern, Überwachen, Melden, Quittieren, elektrisch Verriegeln.

Sonderanwendungen

Phasenwendestecker

Die Verdrahtungsreihenfolge der Außenleiter (Phasenfolge) ist an Steckdosen mit einem Rechtsdrehfeld vorgeschrieben, das heißt mit Sicht auf die Buchse muss im Uhrzeigersinn erst der erste, dann der zweite und schließlich der dritte Außenleiter seine Spannungsspitze erreichen. In der Praxis kann man sich auf die korrekte Phasenfolge nicht immer verlassen, sie wird mangels PrĂŒfwerkzeug wie einem DrehfeldmessgerĂ€t oder aus Bequemlichkeit bzw. Unachtsamkeit beim Klemmen nicht immer eingehalten. Deshalb kann es vorkommen, dass Drehstrommotoren sich nicht in der erwarteten Drehrichtung drehen. Abhilfe schafft das Vertauschen zweier Außenleiter, um ein rechtswendiges Drehfeld herzustellen. Bei Phasenwendesteckern kann dies durch Drehen zweier Steckkontakte erfolgen, die hierzu in einem drehbaren Teller gelagert sind.cite-ref-8[8]

DrehrichtungsprĂŒfstecker

Zur PrĂŒfung der richtigen Drehrichtung von Drehstromsteckdosen und KupplungsanschlĂŒssen bieten mehrere Hersteller PrĂŒfstecker an. Hier ist das PrĂŒfgerĂ€t bereits in einem passenden Stecker integriert und es wird direkt durch Glimmlampen oder mehrere LED angezeigt, ob die Phasenfolge richtig oder falsch ist, oder eine Phase stromlos geschaltet ist.

Adapterleitungen

Adapterleitungen finden Anwendung, wenn eine Verbindung hergestellt werden muss und der gewĂŒnschte Steckanschluss vor Ort nicht zur VerfĂŒgung steht. Dabei sind viele Varianten und Variationen möglich. Viele Adapter gewĂ€hrleisten jedoch die elektrischen Schutzmaßnahmen nicht, was zu StromunfĂ€llen mit PersonengefĂ€hrdung und Kabelbrand fĂŒhren kann.

Soll ein GerĂ€t mit 16-A-Stecker an einer Steckdose mit 32 A angeschlossen werden, so muss durch den Adapter der Überstromschutz und ggf. zusĂ€tzlich der Fehlerstromschutz gewĂ€hrleistet werden. Dies ist zum Beispiel durch einen im Adapter verbauten Leitungsschutzschalter möglich, der den Stromkreis bei Überlast abschaltet. Auch kann ein Fehlerstrom-Schutzschalter im Adapter integriert werden. Der Adapter muss zudem die erforderliche Schutzart der integrierten SchaltgerĂ€te herstellen.

Im Handel werden auch normativ nicht zulĂ€ssige Adapterleitungen angeboten, die den Anwender (als elektrotechnischen Laien) gefĂ€hrden können. Dabei können die elektrischen Schutzmaßnahmen wie z. B. der Überstromschutz durch zu hoch abgesicherte Leitungsquerschnitte, der Fehlerstromschutz durch fehlende oder falsch bemessene Fehlerstrom-Schutzschalter oder die Verpolungssicherheit reduziert bzw. aufgehoben werden.

Adapter zum Anschluss an haushaltsĂŒbliche Schuko- oder SN-441011-Steckdosen sind hĂ€ufig nicht dauerhaft mit einem Strom von 16 A belastbar und bieten keine Verpolungssicherheit zwischen Phase und Neutralleiter, die bei CEE-Kupplungen vorgesehen ist.

Siehe auch
Weblinks

Commons

: Drehstromsteckverbinder

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Auflistung der verschiedenen Steckertypen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ WALTHER-WERKE: Unternehmen Historie. Abgerufen am 3. Oktober 2023.
cite-note-22. ↑ General Introduction of CEE plugs and receptacles. In: MENNEKES industrial plugs and receptacles. Rey & Lenferna, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 31. MĂ€rz 2012; abgerufen am 3. September 2011: „History: CEE plugs and sockets base on the “CEE 17” standard (also BS4343) which was introduced in the 1960s and that later led to the a.m. IEC 60309 standard.“
cite-note-33. ↑ BGV A3: Elektrische Anlagen und Betriebsmittel. (PDF; 660 kB) In: BG-Vorschriften / UnfallverhĂŒtungsvorschriften. 1. MĂ€rz 1979, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 27. Oktober 2011; abgerufen am 1. September 2011: „Umstellen von Drehstromsteckvorrichtungen nach der alten Norm DIN 49450/49451 (Flachsteckvorrichtung) auf das Rundsteckvorrichtungssystem nach DIN 49462/49463 bis zum 31. Dezember 1997“
cite-note-44. ↑ Gerhard Kiefer, Herbert Schmolke: VDE Schriftenreihe 106; „DIN VDE 0100 richtig angewandt, Errichtung von Niederspannungsanlagen ĂŒbersichtlich dargestellt“. 5. Auflage. VDE Verlag GmbH, Berlin und Offenbach 2012, ISBN 978-3-8007-3384-2, S. 408 (Tabelle 21.1).
cite-note-55. ↑ ABB: CEE-Industrie-Steckverbindungen IEC 60 309. (PDF) S. 18, abgerufen am 27. November 2020.
cite-note-66. ↑ toplight.ch
cite-note-77. ↑ Commando Plugs and Sockets. MK Electric, abgerufen am 24. September 2020.
cite-note-88. ↑ Wolfgang Burmeister, AndrĂ© Croissant, Matthias Kraner: Das Baustellenhandbuch der Elektroinstallation. 2. Auflage. Forum Verlag Herkert, 2014, ISBN 978-3-86586-289-1 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).